Kugelsternhaufen M13

Um einen 6" f/7 Refraktor zu testen, habe ich dieses Bild von M13 aufgenommen. M13 ist ein Kugelsternhaufen bestehend aus einer halben Million Einzelsternen, die praktisch Zeitgleich entstanden sind und die seitdem wie ein Bienenschwarm um den gemeinsamen Schwerpunkt schwirren. Neben dem bekannten Kugelsternhaufen sind zwei Galaxien zu sehen. NGC 6207, links unten im Bild, ist eine Spiralgalaxie mit ausgedehnten Sternentstehungsgebieten. Auf halbem Weg zu M13 befindet sich noch IC 4617, eine Spiralgalaxie mit aktivem Kern. Interessant ist es noch zu wissen, dass die Entfernung von M13 etwa dem Durchmesser der nur scheinbar kleineren Galaxie NGC 6207 entspricht. Tatsächlich ist NGC 6207 etwa 45 Mio. Lichtjahre entfernt und hat einen Durchmesser von 30’000 Lichtjahren während M13 "nur" 25’100 Lichtjahre entfernt und 145 Lichtjahre gross ist. 

Kugelsternhaufen M13; (c) Peter Englmaier, 2021

Für die Astrofotografie Freunde hier noch die technischen Daten: Einzelbild 5 Minuten; in L 9 Bilder, in RGB jeweils 8. Total also 2h 45min. 6" f/7 Refraktor A&M 1527F3 mit Astrel Instruments AST8300-B CCD Kamera.

Sonnenfinsternis vom 10. Juni 2021

Vor wenigen Tagen fand eine ringförmige Sonnenfinsternis statt, die als "Partielle" auch in der Schweiz zu sehen war. Piero hat sie in Zürich aufgenommen.

Partielle Sonnenfinsternis in Zürich am 10. Juni 2021; (c) Piero Tami

Ja, warum war diese Sonne nur so wenig verdeckt? Der Kernschatten dieser Sonnenfinsternis ging von Nordamerika über den Nordpol nach Russland. Europa wurde als "links" liegen gelassen. In der Schweiz haben wir deshalb nur noch einen kleinen Teil gesehen, wie die Animation auf Wikipedia schön illustriert.

Die Finsternis konnte auch live im Internet mitverfolgt werden. Die Vereinigung der Sternfreunde e.V. hat das Ereignis verfolgt und die Beobachtungen von mehreren Standorten live auf YouTube übertragen.

Auch die Sternwarte Bülach hat die Sonne live gestreamt. Sehr spannend ist der Vergleich der Beobachtungen.

M86 im Virgo Haufen

Im Sternbild Jungfrau (Virgo) gibt es sehr viele Galaxien. Charles Messier hat 16 davon in seinen Katalog aufgenommen. Die zweitgrösste Galaxie im Virgo Haufen ist M86, eine E3 (Elliptische Galaxie) oder S0 Galaxie.

M86

Die kleinen unscharfen Flecken um M86 sind Zwerggalaxien!

Ganz in der Nähe befindet sich das wechselwirkende Galaxienpaar NGC 4438 / NGC 4435, auch Arp 220 oder "The Eyes" genannt. Die gravitative Wechselwirkung zwischen den zwei Galaxien zeigt sich an den "Gezeitenschwänzen" und der Balkenstruktur im Zentrum. Balken müssen zwar nicht zwingend aus einer Interaktion stammen, sie werden aber besonders leicht, d.h. bereits über grössere Entfernungen angeregt.

Das Galaxienpaar Arp 220 oder "The Eyes".

Aufgenommen wurden die Galaxien in Zürich mit einem 6 Zoll Refraktor und mit einer Belichtungszeit von 1.5 Stunden. Das vollständige Bild zeigt noch mehr interessante Galaxien aber bei weitem noch nicht den ganzen Galaxienhaufen. Der Virgo Haufen ist 54 Millionen Lichtjahre entfernt und soll mehr als 2000 Galaxien enthalten!

Ein Ausschnitt aus dem Virgo Galaxienhaufen

Mond und Venus

Am 14. September trafen sich Mond und Venus mit dem Sternhaufen M44 im Sternbild Krebs. In Stellarium sah die Situation so aus:

Simulation mit Stellarium für 14.9.2020 5:00 MESZ

Mit der Kamera aufgenommen, sind neben dem Mond die hellsten Sterne im Sternhaufen M44 gleichzeitig mit der "dunklen" Mondoberfläche zu sehen, während die schmale Mondsichel und die Venus überbelichtet sind.

Aufnahme mit f/1.8, 0.25 s. Kamera: Canon EOS M6 Mark II, EF 50mm. © Piero Tami

Teleskoptreffen Wassberg 14. August 2020

Das Teleskoptreffen fand beim Pfadiheim Wassberg statt und wurde von AGUZ angeboten.
Das Pfadiheim  befindet sich in einer grossen Waldlichtung welche das Licht von Zürich und Umgebung recht gut abschirmt.
Die Möglichkeit im Pfadiheim zu übernachten wurde von den Teilnehmer auch genutzt.

Obwohl es in der Nacht auch Wolken gab, konnten doch viele Objekte gut beobachtet werden.
Teilnehmer welche kein eigenes Teleskop hatten, hatten die Möglichkeit unterschiedliche Teleskoptypen aus der Nähe kennenzulernen.
Ein paar der schönsten Objekte am Nachthimmel konnten so durch unterschiedliche Teleskopen von allen beobachtet werden.

 

Perseiden am Himmel

Wie jedes Jahr erscheinen die Perseiden Anfang August. Das Maximum wird dieses Jahr wieder für den 12. August erwartet, aber zu sehen sind sie vom 17. Juli bis 24. August. Wegen des noch recht hellen Mondes, wird der Strom von bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde eher weniger gut zu sehen sein. Die beste Beobachtungszeit ist in der zweiten Nachthälfte, wenn das Sternbild Perseus im Nordosten steht.

Merkur trifft Venus

Zurzeit ist Merkur am Abendhimmel zu sehen. Gestern hat ihn Piero Tami in Zürich Nord fotografiert. Er steht unterhalb der Venus und ist dadurch besonders leicht aufzufinden:

Merkur und Venus am Abendhimmel © Piero Tami (21.5.2020)

Die kommenden Tage wird Merkur immer höher steigen. Das Video zeigt die Position am Abendhimmel um 21:40 bis Ende Monat. Heute Abend steht Merkur noch näher  bei der Venus und am Sonntag gesellt sich die schmale Mondsichel ebenfalls dazu.

Merkur trifft Venus - Simulation mit Stellarium. Datum und Zeit stehen am unteren Bildrand.
Video funktioniert nicht? Dann gibt es hier noch eine andere Version!

Erdbahnkreuzer 1998 OR2 trifft Wolkenloch

Vor einer Woche erreichte mich ein Hinweis auf einen "nahen" Vorbeiflug eines Erdbahnkreuzers mit dem Namen "1998 OR2". In Radarbildern des Arecibo Observatoriums sieht der nur 2.1 km grosse Brocken so aus, als ob er eine Maske trägt, wie die Astrophysikerin Anne Virkki humorvoll bemerkt. Auf ihrer Homepage erklärt sie wie die Radarbilder entstehen.

Radarbild von "1998 OR2", aufgenommen am 18.4.2020 vom Arecibo Observatorium.
Arecibo Observatorium / NASA / NSF

Am 29. April sollte der Asteroid in 6.3 Millionen km an der Erde vorbeifliegen, also etwa dem 16-fachen Entfernung vom Mond. Etwa alle 5 Jahre fliegt ein so grosser Asteroid an der Erde vorbei.

Als dann Stefan Meister von der Sternwarte Bülach anfragte, ob ich mich spontan an einer Beobachtung beteiligen wolle, begann auch bei mir die fieberhafte Planung.

Die Wettervorhersagen von ClearOutside und Meteoswiss lagen nahe beieinander und versprachen ein Wolkenloch um 22 Uhr:

Wettervorhersage von ClearOutside für den 29.4.

Ich verwende diesen Wetterdienst gerne, da er sich auf die für die Astronomie wichtigen Parameter beschränkt und einen schnellen Überblick gibt.

In Zürich war der Vorbeiflug am Abendhimmel nahe dem Horizont im Süden zu beobachten. Jedoch würde der Asteroid in der Dämmerung im Wald verschwinden:

Simulation mit Stellarium für die Planung

Damit ich den Asteroiden in Stellarium anzeigen konnte, musste ich seine Bahndaten vorher von der Website des Minor Planetary Centers im MPC 1-line Format herunterladen. Dieses Format ist ein einfaches Textfile und kann direkt in Stellarium importiert werden. Ausserdem kann ich es in meine 10Micron Montierung laden und dann den Asteroiden direkt in der Handsteuerung auswählen.

Ein erstes kurzes Foto - viele Sterne, aber wo ist der Asteroid? Noch ein paar weitere Bilder... und ich bin genauso schlau wie vorher. Der direkte Vergleich von zwei Bildern (z.B. in PixInsight übereinandergelegt) zeigt dann jedoch schnell welcher Punkt seine Lage ändert - oder besser nicht ändert, da das Teleskop der Bahn des Asteroiden folgt. Der Asteroid war ganz am Bildrand, die Bahndaten also nicht mehr ganz richtig. In diesem Fall ist es wichtig, die Position genau zu bestimmen, damit die IAU daraus neue Bahnen berechnen kann!

Danach den Asteroiden in die Mitte des Bild steuern und eine Belichtungsserie starten: Luminanz Filter, Binning 2x2, 10 Sekunden pro Bild. Die Aufnahmen habe ich hier zu einem kleinen Film zusammengebastelt:

Vorbeiflug von 1998 OR2

Nun ja, die Maske sehe ich nicht, aber das war sicher nur Hysterie. Asteroiden werden von der Erde nicht angesteckt.

ESO-Studie über Starlink Satelliten und andere Konstellationen

Mit grossen Bedenken wurden die Pläne für Mega-Konstellationen wie die Starlink Satelliten in der Amateurastronomie und Profiastronomie aufgenommen. Wird der Sternenhimmel selbst in entlegenen Regionen der Welt nur noch ein Gewimmel von Satelliten zeigen? In einer Studie hat die ESO nun eine objektive Analyse der Situation vorgenommen. Demnach sind Grossteleskope mässig betroffen. Langzeitbelichtungen (>1000 Sekunden) sind stärker betroffen. Einen grösseren Einfluss haben die Satelliten auf Durchmusterungen (Surveys) von grösseren Himmelsfeldern. Hier wären 30-50% der Aufnahmen "stark beeinträchtigt".  Hier geht es um kurzfristige Phänomene wie Supernovae und potenziell gefährliche Asteroiden. Es ist also möglich, dass er Schutz der Erde vor Asteroiden beeinträchtigt wird und die Grundlagenforschung behindert wird.  Etwa 100 Satelliten würden mit dem Auge in der Dämmerung nahe dem Horizont zu sehen sein, etwa 10 davon über 30 Grad. Die Auswirkungen auf Radio-, Millimeter- und Submillimeterteleskope (wie z.B. ALMA) werden in der Studie noch nicht untersucht. Für weitere Details, siehe die ESO Pressemitteilung.